• angelina-goertz

A wie ARTGERECHT


- Alles, das gegen die Natur geht, hat auf Dauer keinen Bestand. -

Um den Hund mit seinen Bedürfnissen in seiner Spezies zu verstehen, sollte man sich zu aller erst an der Natur der Hunde orientieren und die Frage klären:

Was bedeutet eigentlich artgerecht beim Hund?

Nur dann ist die Basis gelegt, um auf dessen Grundlage dem Hund im Zusammenleben mit dem Menschen ein stressfreies und glückliches Leben zu ermöglichen, denn der Hund ist auf das Wissen und die Fähigkeiten seines Menschen in einem Abhängigkeitsverhältnis lebenslang angewiesen. Das setzt voraus, sich von menschlichen Denkmustern zu lösen und in die Natur der Hunde einzutauchen. Hunde sind Raubtiere, die in einer Hierarchie leben, ein Territorium kontrollieren, Aggression, Hetz- und Jagdtrieb haben und Fleisch fressen. Auch wenn der heutige Haushund ein teilweise zurückgebildetes Gehirn hat und sich im Laufe der Zeit dem Leben mit dem Menschen ein Stück weit angepasst hat, ist die Anlage unabhängig von Rasse und Größe immer noch die eines Raubtieres mit Ursprung vom Wolf. Das möchte so mancher Mensch, der seinen kuscheligen, süßen Freund vertrauensvoll auf dem Sofa in die Augen schaut, nicht immer wahr haben und sucht dann lieber nach passender Bestätigung seines Empfindens im Internet und Co. Dabei werden nicht selten eigene Emotionen wie Liebe, Mitgefühl, Kummer, Wut, Schuldgefühl und so mach anderes auch dem treuen Begleiter zugesprochen, der dadurch fast der besserer Mensch zu sein scheint. Solange es zu keinerlei Problemen kommt und der Hund keine klassischen Stresszeichen zeigt, entspannt und glücklich ist, kann man seinen Hund sehen wie man lustig ist und es gibt wenig Anlass, die eigene Realität doch nochmal zu hinterfragen und neu zu beleuchten.

Häufig ist das jetzt jedoch nicht mehr der Fall, da dem Raubtier Hund, der nun in einer Abhängigkeit eines sozialdemokratisch denkenden Menschen steht, gerne angeschafft wurde auf Grund von Fell, Farbe und Optik, anstatt von Rassecharakter, Dinge angedichtet bekommt, die er nicht sein und leisten kann und gleichzeitig artspezifische Bedürfnisse unbeachtet bleiben. Und dann muss es zwangsläufig zu Problemen im Zusammenleben und der Verständigung kommen, Leidtragende sind häufig Mensch und Hund zugleich, Schuldiger ist aus Sicht des Menschen in der Regel der Vierbeiner, der einfach schwer erziehbar, dominant, bockig oder auch besonders ängstlich, zart besaitet und hochsensibel ist. Manche Menschen, die mit ihrem Hund nicht zurecht kommen, sei es auf Grund von verschobener/fehlender Hierarchie, dem Fehlen des Hundeführers an Autorität, Grenzen, Konsequenz und Klarheit oder zu viel Druck, Unbeherrschtheit und Gewalt, suchen sogar nach Erklärungen in Form von psychischen Krankheiten des Hundes, die im Zuge des grenzenlosen Internets irgendwann auch gefunden werden, um sich selbst, dem näheren Umfeld, Nachbarn, Freunden und Familie eine Erklärung für das problematische Verhalten liefern zu können. Irgendjemanden gibt es immer, der einem bestätigt, was man hören möchte. „Mein Hund hat ADHS oder ist Autist.“, sind in Fachkreisen die bekanntesten Aussagen, womit der Mensch seine Verantwortung abgegeben hat, den Hund in seiner Spezies artgerecht zu verstehen und zu interagieren, die vermeintliche Krankheit als Grund von Fehlverhalten in den Vordergrund gestellt wird und der Hund mit seinen Problemen nun leben muss. Es ist immer eine Herausforderung, auf sich selbst zu schauen und doch jedes Mal eine neue Chance, zu wachsen. Der Hund ist dabei das ehrlichste Spiegelbild seines Menschen.

Klar zu stellen ist: Kein Hund, der mit seinem Menschen lebt, sollte mit seinen Problemen leben müssen. Hunde tun aus ihrer Sicht immer das Richtige und es war der Mensch, der entschieden hat, den Hund anzuschaffen und mit ihm zu leben und nicht anders herum. Somit liegt es alleine in der Verantwortung des Menschen, den Hund in seinen Bedürfnissen und seiner Art (artgerecht, nicht zu verwechseln mit wunschgerecht) zu verstehen und selbst zu lernen, ein gutes Führungspersonal für ein kuscheliges, weiches, häufig putziges, triebgesteuertes Raubtier! zu werden. Hunde wollen Führung, da Führung in ihrer Struktur natürlich ist. Sie folgen gerne, nehmen Sicherheit und Schutz von einer souveränen Leitung dankend an, die sich weder wie ein ängstliches Fluchttier, noch wie ein unberechenbarer Schläger verhält. Denn hochsensibel sind sie alle, die Hunde. Sie haben weit aus stärker ausgeprägte Sinne und ein feineres Gespür als der sich immer weiter von seiner Natur entfernende Mensch, weshalb ein gutes Fundament an Wissen über die wirkliche Natur der Art Hund und passende Fähigkeiten unumgänglich sind, um dem sinnesscharfen Vierbeiner eine gute, menschliche Leitung zu sein, der er sich vertrauensvoll anschließend kann.

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